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ORFEO International – Neuheiten
Wichtige Neuerscheinungen kurz vorgestellt
Veröffentlichungszeitraum November 2012 — Mai 2013
Mai 2013
ORFEO 1 CD C 875 131 B
Wagner - Die Walküre 1. Aufzug
In Richard Wagners Ring-Tetralogie nimmt der 1. Aufzug der Walküre eine Sonderstellung ein: Die Dreiecks-Konstellation um das Zwillingspaar Sieglinde-Siegmund und den unheilbringenden Dritten, Hunding, hebt sich vom bezugs- und querverbindungsreichen Opern-Mehrteiler durch bemerkenswerte innere Spannung und Abgeschlossenheit ab. Musikalisch reiht sich zudem Höhepunkt an Höhepunkt, vom aufbrausenden Orchestervorspiel bis zu Siegmunds Liebeslied „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ und der leidenschaftlichen Vereinigung der Geschwister.  C 875 131 BBei der letzten Neu-Produktion der Wiener Staatsoper war dieses Paar, das sich dem Hunding des Bass-gewaltigen und zugleich differenziert gestaltenden Ain Anger gegenübersah, mit Nina Stemme und dem Rollendebütanten Johan Botha besetzt. Sie wurden vom Publikum und von der Presse stürmisch bejubelt. Die Sopranistin und der Tenor haben seitdem international in noch dramatischeren Wagner-Rollen reüssiert, Nina Stemme beispielsweise als Brünnhilde in San Francisco, Wien und Mailand oder Johan Botha als Tannhäuser in Wien und London. Schon als Sieglinde und Siegmund ließen beide jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie diese schweren Aufgaben nicht übernehmen, ohne die Stimmschönheit und den Legato-Gesang preiszugeben. Erfreulich hoch fällt nichtsdestoweniger die Wortverständlichkeit bei diesem Wälsungen-Paar aus, von dem der Siegmund in diesem Jahr, wie bereits im Konzert anlässlich von Wagners 200. Geburtstag, wieder auf dem Grünen Hügel zu erleben ist. Das Orchester der Wiener Staatsoper wurde 2007 vom heutigen Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst geleitet und lief im 1. Aufzug ebenfalls zur Höchstform auf. So opulent und schillernd im Klang und doch so durchhörbar und unforciert wird Wagner selten musiziert. Insofern eignet sich dieser 1. Aufzug als Live-Mitschnitt auf CD auch vorzüglich für alle, die im Jahr des Wagner-Jubiläums neugierig, aber womöglich noch Vorbehalte angesichts kompletter (und aktueller) Aufführungen überwinden müssen.
nach oben April 2013
ORFEO 3 CD C 862 133 D
Richard Wager - Lohengrin
Das vollständige Gelingen einer Aufführung von Richard Wagners Lohengrin hängt stark vom „bösen“ Paar ab, das dem Schwanenritter und der von ihm beschützten Elsa gegenübersteht. Bei der musikalisch umjubelten Premiere 1965 an der Wiener Staatsoper machte Christa Ludwig als Ortrud deutlich, warum Wagner selbst diese Figur als „furchtbar großartig“ bezeichnet hat.  C 862 133 DChrista Ludwig, die am 16. März 2013 ihren 85. Geburtstag feiert, hat sich u.a. mit dieser Rollen-Interpretation einen Ehrenplatz in den Annalen der Wiener Staatsoper ersungen. Nicht nur wurde ihr Fluch („Entweihte Götter!“) vom Publikum mit spontanen Ovationen bedacht; auch die subtilen Feinheiten, mit denen sie diese zwischen hochdramatischem Sopran und dramatischem Mezzosopran einzustufende Partie der Zauberin zur unbestrittenen Drahtzieherin des Geschehens machte, kommen im Live-Mitschnitt voll zur Geltung. Walter Berry als Telramund stand ihr an jenem Abend mit von ihm zuvor kaum geahnter heldenbaritonaler Wucht zur Seite, ohne die gesangliche Kultiviertheit preiszugeben. Überhaupt war die Interpretation jenes Abends (im Vergleich zu manchen „ätherisch“ entrückten Versionen) hitziger und aufwühlender, präzise angespornt von Karl Böhm am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper und mit dem exzellent von Wilhelm Pitz präparierten Chor der Wiener Staatsoper. Auch Eberhard Waechter als Heerufer und Martti Talvela als König Heinricht sangen glanz- und kraftvoll, während Claire Watson als Elsa und Jess Thomas als Titelheld das Wagner-Glück als „gutes“ Paar in hellen Farben komplettierten: sie mit einem an Mozart geschulten, schlanken und klar fokussierten Sopran und er mit seinem virilen, wortdeutlichen und klar akzentuierenden Tenor, der in den 60er Jahren auch modellhaft für den in Bayreuth (und vom Regisseur der Wiener Premiere Wieland Wagner) bevorzugten Stil des Wagner-Gesangs war: eine im besten Sinne des Wortes moderne Lesart, die den Figuren ihre mythische Größe ließ und sie zugleich als Menschen aus Fleisch und Blut, dem zeitgenössischen Publikum nahe erscheinen ließ.
nach oben März 2013
ORFEO 1 CD C 865 131 A
Verdi - Piotr Beczala
Das Jahr des 200. Geburtstags von Giuseppe Verdi begeht der weltweit gefragte Tenor Piotr Beczala mit einer Zusammenstellung von Höhepunkten, unter anderen aus Partien, mit denen er auf den großen Opernbühnen seit Jahren Furore macht.  Piotr Beczala Foto: Johannes IfkovitsZugleich geht die neue CD mit Beczala und dem Polnischen Radio-Sinfonieorchester unter der Leitung von Lukas Borowicz aber einen Schritt weiter: Neben Erfolgs-Partien wie dem Herzog in Rigoletto oder dem Alfredo in La Traviata (in denen Beczala z.B. an der MET ebenso gefeiert wird wie am Covent Garden oder an der Bayerischen Staatsoper) präsentiert er Rares und in die Zukunft Weisendes. So singt er die Auftrittsarie des Radamès aus Aida und findet genau jene Balance zwischen dramatischen Tönen und verinnerlichtem Ausdruck, der diese Romanze (wie die gesamte Rolle) so reizvoll und schwierig macht.  C 865 131 AÄhnlich verhält es sich mit dem Manrico in Il Trovatore, aus dem Beczala auf der neuen CD nicht nur die Arie „Ah sì, ben mio“, sondern auch die große Szene mit Azucena aus dem Zweiten Teil der Oper interpretiert. Seine Partnerin dabei ist Ewa Podleś, die mit der dunklen Fülle und gleichzeitigen Brillanz ihres Kontra-Alts einen faszinierenden Kontrast zu Beczalas stets schlank geführt strahlendem Tenor bietet. Im die Aufnahme beschließenden Freundschafts-Duett aus Don Carlo, das Beczala mit einem fulminanten hohen C krönt, ist Mariusz Kwiecien als Posa sein Bariton-Partner, der dem Album damit eine weitere (stimm)schöne Farbe hinzufügt. Die Möglichkeit, mit feinen Schattierungen die schwermütigen Seiten des Repertoires zu bedienen, bieten Piotr Beczala außerdem die Arien aus Macbeth und Un Ballo in Maschera, mit dessen Protagonist Riccardo der polnische Tenor seit einem spektakulären Auftritt an der Berliner Lindenoper und einer weiteren Premiere an seinem langjährigen Stammhaus, der Oper Zürich, geradezu identifiziert wird. Für das wirkungsvoll vom demütigen zum hoffnungsvollen Ausdruck gesteigerte „Ingemisco“ aus dem Requiem wechselt Beczala zwischendurch sogar das Genre (vorausgesetzt, man teilt nicht die Meinung, dass diese Messe in Wahrheit Verdis beste Oper ist). Abwechslungsreichtum garantiert schließlich auch die Auswahl der Tenor-Arien aus selten gespielten Verdi-Opern wie Les Vêpres Siciliennes oder I Lombardi alla prima Crociata, in denen Piotr Beczala einmal mehr die Geschmeidigkeit und Eleganz seiner Phrasierung demonstriert.
nach oben Februar 2013
ORFEO 18 CD C 834 118 Y
Wilhelm Furtwängler - Wiener Philharmoniker - Wiener Konzerte 1944 - 1954
Neben Berlin ist Wien die Musikstadt, zu der Wilhelm Furtwängler als Dirigent in der engsten künstlerischen Beziehung stand. Mit den Wiener Philharmonikern ist unter seiner Leitung eine ganze Reihe von Rundfunkaufnahmen entstanden, die unter der Obhut vom Furtwängler-Spezialisten Gottfried Kraus bei Orfeo nun erstmals sorgfältig ediert und auf 18 CDs zusammengestellt worden sind.  C 834 118 YAm Anfang stehen Einspielungen von 1944/45, u.a. Mozart g-Moll-Symphonie KV 550, die von den ersten Takten an Furtwängler klares Formbewusstsein deutlich werden lässt. Beethovens dritte Leonoren-Ouvertüre und ein Auszug aus Schuberts Rosamunde-Musik vervollständigen die Musikauswahl dieses frühesten Aufnahmetermins. Einige Werke sind in der Anthologie mehrfach enthalten; so lässt sich z.B. Beethovens Eroica in einer ersten Version aus dem Jahr 1944 mit einem späteren Konzertmitschnitt von 1953 vergleichen, ebenso wie Bruckners Achte von 1944 und 1954. Gleich drei Mal – aus den Jahren 1951, 1952 und 1953 – findet sich in der Anthologie Beethovens Neunte, die wohl kein Dirigent so zum „Ereignis“, ja einer allgemeingültigen Erfahrung machen konnte wie Furtwängler. Das gilt auch für seine Brahms-Interpretationen, vertreten mit den ersten beiden Symphonien, den Haydn-Variationen, dem Doppelkonzert und dem leider nur unvollständigen Deutschen Requiem von 1951, dem einzigen Mitschnitt der Sammlung, bei dem die Wiener Symphoniker spielen. Außerdem sang hier neben Irmgard Seefried und Dietrich Fischer-Dieskau, zwei von Furtwängler geschätzten und wiederholt eingesetzten Gesangssolisten, der Chor der Wiener Singakademie. Dieser ist auch in Bachs Matthäus-Passion zu hören, in einem Teilmitschnitt von 1952 und in der berühmten Aufführung von 1954, die hier, anders als bei früheren Veröffentlichungen, obgleich von Furtwängler gekürzt, basierend auf der originalen Radio-Übertragung und ohne die späteren Schnitte der Phono-Industrie klanglich restauriert wurde. Auch sonst wurde dieses akustische Vermächtnis der damaligen Wiener Rundfunkanstalten mit den heutigen technischen Mitteln bestmöglich aufbereitet. Selbst Sammlerstücke wie die Mozart-Klavierkonzerte KV 365 und KV 482 mit den Solisten Dagmar Bella und Paul Badura-Skoda dürften, seitdem sie im Konzertsaal gespielt wurden, nicht besser geklungen haben. So widerfährt Furtwänglers epochenübergreifend „zeitlosem“ Musizierstil Gerechtigkeit, von Glucks Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis bis hin zu Mahlers Liedern eines fahrenden Gesellen und zur Zweiten Symphonie von Furtwängler selbst, einem bei allem spätromantischen Anklängen originellen und emotional aufgewühlten Werk. Diese Universalität sucht bis heute ihresgleichen.
nach oben Januar 2013
ORFEO 1 CD C 851 121 B
Bayreuther Festspiele 1954
Beethovens 9. Symphonie ist bis heute das einzige Werk, das nicht zum Kanon von Richard Wagners „Bayreuther Zehn“ gehört, und das doch auf dem Grünen Hügel aufgeführt worden ist.  C 851 121 BDie Aufführungsgeschichte dieser Symphonie bringt man zudem, nicht nur in Bayreuth, mit kaum einem Dirigenten so stark in Verbindung wie mit Wilhelm Furtwängler. Bei Orfeo bereits als Mitschnitt veröffentlicht wurde die Eröffnungsvorstellung der ersten Bayreuther Nachkriegs-Festspiele von 1951 mit Beethovens Neunter unter Furtwängler – auf Basis der Originalübertragung. Bis nun die Aufführung von 1954 auf CD erscheinen konnte, waren einige aufnahmetechnische Hürden zu überwinden: keine der greifbaren Quellen war ohne modernste Möglichkeiten des Masterings zufriedenstellend aufzubereiten. Was nun vorliegt, ist zweifelsohne ein Dokument: sowohl für an der Bayreuther Festspielgeschichte Interessierte als auch für diejenigen, die sich für die Kontinuität und gleichzeitig für den ständigen Wandel von Wilhelm Furtwänglers Musizierstil begeistern. Diese Neunte wurde zu seinem Abschied von Bayreuth, drei Monate vor seinem plötzlichen Tod, und einem seiner letzten Konzerte überhaupt. Sie wirkt in der Interpretation durchaus direkter, weniger feierlich als in früheren Mitschnitten unter diesem großen Dirigenten, der das berühmte Chorfinale in den letzten Takten der Symphonie zu einer nicht nur durch das rasante Tempo geradezu atemlosen Verdichtung der musikalischen Figuren steigert. Selbst hier folgen der Chor und das Orchester der Bayreuther Festspiele wie auch das Solistenquartett, angeführt von der an diesem Abend prächtig disponierten holländischen Sopranistin Gré Brouwenstijn, dem Schlag des Maestro mit unüberhörbarer Spannung und höchster, nie nachlassender Aufmerksamkeit. Hier liegt wohl das Geheimnis der Faszination, die bis heute von Furtwängler ausgeht: Wie vielleicht kein Dirigent sonst verstand er es in den Werken, die er unzählige Male geleitet hat, immer die Routine zu vermeiden und eindrücklich das Bewusstsein des Außerordentlichen und Einmaligen, für sich wie für die als Mitmusiker und Zuhörer Beteiligten, stets von Neuem hervorzurufen und zu festigen.
nach oben Januar 2013
ORFEO 2 CD C 788 122 B
Sergiu Celibidache zählt zu den herausragenden und eigenwilligsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts.  C 788 122 BNach dem Tod Wilhelm Furtwänglers 1954 und der Berufung Herbert von Karajans zu dessen Nachfolger kam es zum Bruch mit den Berliner Philharmonikern, die Celibidache nach dem Zweiten Weltkrieg während Furtwänglers Dirigierverbot neu formiert und bis zu dessen Rückkehr geleitet hatte. In den folgenden Jahren, bis zu seinem Engagement bei den Münchner Philharmonikern ab 1979, band sich Celibidache nie längerfristig an ein Orchester, sondern führte ein regelrecht nomadenhaftes, rastloses Künstlerleben. Musikmetropolen wie Wien bereiste er nur selten. Das nun komplett bei Orfeo veröffentlichte Konzert mit den Wiener Symphonikern vom Oktober 1952 bietet insofern einen interessanten Einblick in eine Zeit, in der Celibidache noch Optionen abzuwägen schien. In Brahms’ Erster Symphonie präsentierte er sich impulsiver, in den Ecksätzen mit rascher vorwärtsdrängenden Tempi, als man es aus späteren Jahren und Mitschnitten kennt. Überragend wie eh und je ist sein Klangsinn und die Fähigkeit, die Orchestermusiker dazu zu bringen, wirklich aufeinander zu hören. Das wird schon in Les Préludes von Franz Liszt zu Beginn des Konzertes und vor allem im Konzert für die linke Hand von Maurice Ravel deutlich, dessen Solopart von keinem Geringeren als Robert Casadesus gespielt wird, der mit pianistischer Geschliffenheit, französischer clarté und vornehmer Kontrolliertheit nicht zufällig zum Interpreten schlechthin für dieses Werk avancierte. Im Zusammenspiel mit den Wiener Symphonikern und Sergiu Celibidache gelang es ihm exemplarisch, die in diesem Konzert vorherrschende Spannung durchgehend zu halten und den grotesken Charakter vieler Episoden voll auszuspielen: eine faszinierende Begegnung zweier großer Musiker.
nach oben November 2012
ORFEO 1 CD C 852 121 A
Quasi seit dem Beginn seiner Dirigentenausbildung ist Andris Nelsons nicht nur mit der Tradition der russischen, sondern auch speziell der sowjetischen Musik vertraut – studierte er doch u.a. in St. Petersburg bei Alexander Titow und bei Mariss Jansons.  C 852 121 ADer Weg zu Schostakowitsch und dessen 7. Symphonie, die Nelsons vor Kurzem erfolgreich mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra bei den Londoner Proms dirigiert hat, ist insofern vollkommen konsequent. Schostakowitschs Symphonien waren und sind ja immer wieder Versuchen historischer und politischer Dechiffrierung ausgesetzt. Dabei erweist sich gerade die Qualität eines Werkes wie der Siebten, so genannten Leningrader Symphonie C-Dur in ihrer Allgemeingültigkeit, der die Bezeichnung „Kriegssymphonie“ in keiner Weise gerecht wird.  Andris Nelsons Foto: Marco BorggreveDen fast idyllischen Beginn der Symphonie und seine (Zer-)Störung durch die jäh hereinbrechenden Trommelwirbel und die musikalische Thematik des militärischen Überfalls lässt der finale Siegestaumel ebenso wenig vergessen wie das emotionale Wechselbad, dem die Zuhörer in den Mittelsätzen ausgesetzt werden, schwankend zwischen verhaltener Zuversicht und choralhafter Feierlichkeit, mit der Schostakowitsch durchaus an seine großen russischen Vorbilder, allen voran Modest Mussorgsky anknüpft, und durch die er der gequälten Seele des Volkes, jenseits aller Ideologien, seine Stimme einräumt. Es sind wohl gerade solche Passagen, die zur raschen, weltweiten Verbreitung des Werkes geführt haben, nachdem die auf Mikrofilmen festgehaltene Partitur auf abenteuerlichen Wegen über den Mittleren Osten bis in die Vereinigten Staaten gelangte. Dieser aufregenden Aufführungsgeschichte fügt das City of Birmingham Symphony Orchestra unter der Leitung seines Music Director Andris Nelsons nun eine packende Wiedergabe auf CD hinzu – in der Klangschärfe und -tiefe ebenso sorgfältig zugespitzt wie in der Gegenüberstellung der rhythmischen Gewalt und der zarten Lyrismen. Die Monumentalität von Schostakowitschs Werk tritt hier vor allem in der Ausgewogenheit (und eben nicht Plakativität) bewegend zutage.
nach oben November 2012
ORFEO 1 CD C 847 121 A
Nach den Cello-Suiten von Benjamin Britten erkundet Daniel Müller-Schott weiter Repertoiregebiete, die auf dem legendären Mstislaw Rostropowitsch zurückgehen.  C 847 121 ASo ist die Symphony for Cello and Orchestra von Britten das erste größere Werk nach der Cello-Sonate von 1961, zu dem Rostropowitsch den englischen Komponisten inspiriert hat, oder vielmehr: um das der Cellist, als er einmal erkrankt war „den Doktor aus Aldeburgh“ bat, um „ihn wieder zum Leben zu erwecken“. Für Daniel Müller-Schott, der ja ein Jahr bei Rostropowitsch studiert hat, ist gerade die „klassische“ viersätzige Anlage, das mal kammermusikalische Zusammenspiel, dann wieder eben symphonische Wetteifern mit dem Orchester, eine (vor allem für den Zuhörer:) lohnende Herausforderung.  Daniel Müller-Schott Foto: Uwe ArensDenn in dem WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung seines Chefdirigenten Jukka-Pekka-Saraste hat Müller-Schott hier auch kongeniale Partner, die die klare thematische Strukturiertheit des Werkes bestens herausarbeiten – bis in die expressionistisch anmutenden Steigerungen und Wechsel zwischen Statik und Bewegung, die von Solist und Orchester in atemberaubender Manier nachvollzogen werden. Gleiches gilt für das Symphonische Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll von Sergej Prokofjew, das vom Komponisten mehrfach überarbeitet und postum wiederum von Rostropowitsch aufgegriffen und international bekannt gemacht wurde. Daniel Müller-Schott tut es ihm nun nach, in allen Lagen seines Instruments, in den Wechseln und enorm schwierigen Griffen souverän und agil. Bezwingend ist dabei der enorme Kontrastreichtum von Prokofjews Werk in allen drei Sätzen, gleichsam in der Klangwelt des Romeo und Julia-Balletts kantabel beginnend und endend in der klassizistischen und geradezu ins Tänzerische gesteigerten Variationenfolge des letzten Satzes. Es überwiegt eine dermaßen bezwingende Brillanz, dass man dieses Stück ebenso wie jenes von Britten gerne rasch und öfters im Konzertsaal erleben möchte.
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